Vom Brustkreuz bis Pileolus

Ein Kreuz mit roten und rosa Steinen besetzt
Das Brustkreuz

Was unterscheidet den Bischof von Myra eigentlich genau vom Weihnachtsmann? Woran erkennt man den Heiligen?

Bischofszeichen und ihre Bedeutung

Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden, gibt Brauchtumsexperte Manfred Becker-Huberti eine theologische Ausdeutung der Bischofszeichen, der Insignien oder "Pontifikalien", die einem Bischof oder einem Abt mit eigener Jurisdiktion vorbehalten sind und bei Amtshandlungen genutzt werden. Heute sind dies Brustkreuz, Bischofsring, Bischofsstab, Mitra und Pileolus.

 

Ein Brustkreuz, auch Pektorale genannt, ist ein Brustschmuck, der als Würdezeichen vom Papst sowie den Kardinälen, Bischöfen, Äbten und Äbtissinnen getragen wird. Es bezeugt die enge Bindung des Trägers an Christus und die Kirche und ist zugleich Bekenntnis und Zeichen des Vertrauens.

Der Schutz der Reliquien

Die Christen haben sich von Anfang an mit Medaillen und Amuletten geschmückt und mit Reliquien geschützt. Daraus entwickelte sich seit dem 5. Jahrhundert das Brustkreuz als Reliquienbehältnis, das ursprünglich vom Bischof unter seinem Gewand getragen wurde. Seit dem 12. Jahrhundert trugen es die Bischöfe dann über der Albe, was 1570 Vorschrift wurde. Seit dem Barock ist das Brustkreuz Teil der offiziellen bischöflichen Kleidung.

 

Während heute vor allem Äbte und einige Bischöfe eher schlichte Pektorale aus Holz, einfachem Metall oder Silber tragen, gibt es auch von Künstlern gefertigte Stücke aus Gold, Perlen oder Edelsteinen. Die aufwendigsten Pektorale aus den Zeiten des Barock und Rokoko findet man allerdings nur noch in Museen.

Der Ring: Symbol für Macht

Goldener Ring mit rotem Stein
Der Bischofsring

Finger- und Halsringe sind seit den Urzeiten in nahezu allen Kulturen zu finden. Im Orient und im Judentum gibt es Fingerringe in unterschiedlichster Bedeutung: als Schmuck-, Geschenk-, Siegel-, Ehe- und Herrschaftsring. Schon in den Zeiten der Patriarchen sind Siegelringe üblich, die eigenhändige Unterschriften ersetzen und als Macht- und Würdezeichen galten.

 

Der Bischofsring war ursprünglich wohl ein Siegelring, 633 erstmals bezeugt. Er wurde seit dem 9. Jahrhundert bei der Bischofsweihe mit dem Stab überreicht. Er galt und gilt als Zeichen der Treue und eheähnlichen Verbindung mit der dem Bischof angetrauten Ortskirche.

Päpstlicher Fischerring

Der Bischof trägt seinen Ring jederzeit an der rechten Hand. Die Äbte haben diesen Brauch in Einzelfällen seit dem 12. Jahrhundert, allgemein seit dem 15. Jahrhundert, übernommen.

 

Im Unterschied zu allen anderen Bischöfen trägt der Papst einen "Fischerring", mit dem er siegelt. Nachdem der Tod des Papstes festgestellt wird, muss dieser Ring sofort zerstört werden. In weiten Teilen der Welt gilt noch der Ringkuss mit einer Kniebeuge auf dem linken Knie vor dem Bischof als ein ehrendes Zeichen der Demut.

Hoheitszeichen: Bischofsstab

Ein Stab gilt bis in unsere Tage als Hoheitszeichen. Britische Offiziere führen ihn mit sich, während die britische Königin sich ihr Zepter vorantragen lässt. Benediktiner erhalten zur Goldenen Profess einen Alterstab. In fast allen Kulturen hebt der Stab seinen Träger als jemand Besonderen hervor.

 

Der Stab des Bischofs besteht aus einem langen Holz- oder Metallschaft, der unten mit einer Spitze und oben mit einer aufgesetzten Krümme endet. Die Krümme ist vielfach von einem Künstler gestaltet und besteht aus Holz, Silber, Gold, Elfenbein oder anderen edlen Materialien. Der gesamte Stab ist schulter- oder mannshoch und wird mit der linken Hand geführt.

Der gute Hirte

Die Idee hinter dem Bischofsstab ist die Herde der Gläubigen, die von einem Hirten geführt und bewacht wird. Schon der ägyptische Gott Osiris wird mit einem Hirtenstab dargestellt. Das Bild vom "Guten Hirten" liegt einem Gleichnis Jesu zugrunde. Kaiser Konstantin der Große gestattete im 4. Jahrhundert den Bischöfen das Führen eines Stabes als Zeichen ihrer geistlichen und weltlichen Autorität. Der Papst, Bischof von Rom, trägt als einziger Bischof keinen in einer Krümme auslaufenden Hirtenstab. Sein Stab, die Ferula, endet in einem Kreuz.

 

Bischofsring und Bischofsstab wurden bei der Investitur (6. Jahrhundert) überreicht und zunächst nur außerliturgisch mitgetragen. Seit dem 13. Jahrhundert bürgerte sich das Mitführen des Stabes auch in der Liturgie ein, wobei der Stab meist von einem Diener getragen wurde. Der Bischof benutzt ihn selbst bei der Prozession, beim Hören des Evangeliums, bei der Predigt sowie der Entgegennahme von Gelöbnissen.

Tragen des Bischofsstabs

Während ein Bischof in seinem Bistum die Krümme nach vorn ausrichtet, hält sie ein Abt immer nach hinten. Der Abt deutet damit an, dass er seine Autorität nach innen, auf sein Kloster, beschränkt, während der Bischof nach außen, auf Kirche und Welt ausgerichtet ist. Der Bischofsstab hat sogar Eingang in die Spruchweisheit gefunden: Der Satz "Unter dem Krummstab ist gut leben" bedeutet, dass die Bauern in Kurfürsten-, Fürstbistümern sowie Fürstabteien geschützt und nicht der Ausbeute adliger Großgrundbesitzer ausgesetzt waren.

Der bischöfliche Klapphut

Ein Hut überhöht seinen Träger, macht ihn sprichwörtlich größer, bedeutender. Deshalb sind Kopfbedeckungen ursprünglich nicht rein funktionale Gegenstände, sondern Rangabzeichen. Der Form nach ist eine Mitra ein Klapphut. Seine zwei hoch aufsteigenden, durch Einlagen versteiften, oben verbundenen Hälften enden in Spitzen, die auch , Hörner, genannt werden. An ihrer Rückseite wird die Mitra durch zwei Behangstreifen geschmückt. Getragen wird die Mitra vom Papst, von Bischöfen und Äbten.

 

Heute unterscheidet man zwei Arten der Mitra: Die eine besteht aus weißem Seidendamast, Seide oder Leinen. Die andere dagegen ist mit Silber- oder Goldfäden oder Plättchen, Perlen oder Edelsteinen geschmückt. Ihre jeweilige Nutzung ist abhängig vom Träger, Ereignis und den Rahmenbedingungen.

Ursprünge der Mitra

Die Mitra scheint in der Mitte des 10. Jahrhunderts in Rom aufgekommen zu sein und sich im 11. Jahrhundert als bischöfliche liturgische Kopfzier verbreitet zu haben. Auf welche Vorläufer die Mitra zurückgeht, ist letztlich nicht geklärt. Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts ist sie allgemein in Brauch.

Der Pileolus

Zu den Pontifikalien gehört auch ein Scheitelkäppchen, das auch Päpste, Kardinäle, Priester, Ordensgeistliche und Ordensbrüder auf dem Teil ihres Kopfes tragen, der früher infolge der Tonsur kahl geschoren war. Es hat den Namen Pileolus und ist verwandt mit der jüdischen Kipa. Es ist hervorgegangen aus einer den Kopf oder die Haare schützenden Haube aus Filz oder Wolle, die unter dem Barett (priesterliche Kopfbedeckung) und unter Helmen getragen wurde.

Die Farbe ist entscheidend

An der Farbe des Pileolus kann man den Rang des Trägers erkennen. Der Papst trägt einen weißen Pileolus aus Moiré-Seide. Aber nicht allein der Papst, sondern auch die Prämonstratenser-Chorherren, die ein weißes Ordensgewand tragen, dürfen einen weißen Pileolus, in der Regel aber aus Wolle, benutzen.

 

Kardinäle tragen einen scharlachroten, Bischöfe einen violetten und Priester einen schwarzen Pileolus. Ordensgeistliche verwenden in der Regel die Farbe des Ordensgewandes; der Generalobere, sofern er den Rang eines Abtes hat, darf einen violetten Pileolus tragen.

 

Der Pileolus wird auch während der Eucharistiefeier benutzt und nur während des Hochgebetes (vom Sanctus bis zum Ende der Kommunionausteilung) abgesetzt. Weil das Scheitelkäppchen also nur vor dem Allerheiligsten weicht, wird es auch scherzhaft "Soli Deo" (allein [vor] Gott) genannt. (Text: Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti

Fotos: Erzbischöfliches Diözesanmuseum Paderborn, Ansgar Hoffmann)

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