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Der winzig kleine Weihnachtsbaum

 

Es war Winter, kurz vor Weihnachten und die Stadt voller Trubel.

Lag es daran, dass heute der letzte Samstag vor Weihnachten war? Hatte die Wintersonne die Menschen aus ihren Häusern gelockt oder war es der Duft von Glühwein, Bratwürsten und Lebkuchen auf dem Weih­nachtsmarkt? Vielleicht wollten alle auch noch Geschenke kaufen?

So wie Gretas Vater. Früh am Morgen hatte er sich in den Kopf gesetzt, schnell noch ein Geschenk für die Oma zu besorgen. Aber aus dem „schnell-noch-was-besorgen“ wurde nichts. Schon seit zwei Stunden liefen Greta und ihr Vater durch die Stadt, in mindestens zehn Geschäften hatten sie nach einem Geschenk für die Oma gesucht, aber Gretas Vater konnte sich nicht ent­scheiden. Ganz gleich, was sie entdeckten, ganz gleich, was ihnen von hilfsbereiten Verkäuferinnen vor­geschlagen wurde, jedes Mal hatte der Vater eine andere Ausrede: „ach nein, das ist nichts“,  „kommt nicht in Frage“, „zu groß“, „zu teuer“, „zu klein“, „zu billig“, „zu bunt“, „zu schwarz“, „zu modern“, „zu weiß“, „dafür ist die Oma zu alt“, „dafür ist die Oma zu jung“, „nein, das wird ihr nicht gefallen“, „nein, das hat sie sicherlich schon“ …

Greta hatte keine Lust mehr. Sie wollte nun lieber auf den Weihnachtsmarkt. Vielleicht würden sie ja auch dort noch ein Geschenk finden...

Auch Gretas Vater hatte keine Lust mehr. „Immer diese Schenkverpflichtungen!“ schimpfte er. „Immer dieser Stress vor Weihnachten und die Angst, das Falsche zu kaufen! Ich werde Oma einen Gutschein geben, und dann soll sie sich selber etwas aussuchen. Basta.“

Mit dieser Entscheidung ging es ihm besser. Er hatte das Geschenkproblem abgeschüttelt wie eine lästige Fliege und atmete auf. Und jetzt wollte er sich für seinen klugen Einfall be­lohnen - mit einem Glühwein! Wann hatte er das letzte Mal einen Glühwein auf dem Weih­nachtsmarkt getrunken? Wenn überhaupt, dann war es so lange her, dass er sich nicht mehr daran erinnern konnte.

Greta wollte nicht mit einem heißen Kakao belohnt werden, sie wollte sich lieber in Ruhe die Stände anschauen. Sie ging von einer Bude zur nächsten und bei den Weihnachtspyra­miden blieb sie stehen. Ob die nette Frau am Stand überhaupt schon eine Pyramide verkauft hatte? Sorgfältig nach Größe geordnet standen sie in Reih und Glied. Es sah nicht so aus, als ob auch nur eine einzige fehlte, und es war doch schon bald Weihnach­ten! „Nun ja, vielleicht brauchen die Leute ja keine Weihnachtspyramiden mehr“, überlegte Greta, „wahr­scheinlich haben sie alle schon eine, so wie wir, und die Oma hat ja sogar zwei.“

Neben dem Weihnachtspyramidenstand hatte der Tannenbaumverkäufer seinen Platz ge­funden. Und er hatte jetzt ziemlich viel Platz, denn fast alle Bäume waren verkauft. „Mit den Weihnachts­bäumen ist es anders als mit den Pyramiden, stimmt’s?“ fragte Greta den Mann mit der roten Pudelmütze. „Was ist anders?“ fragte er zurück.

„Na, die werden jedes Jahr neu gekauft!“

Der Mann lachte. „Gott sei Dank! - Sie werden ja auch in jedem Winter frisch ge­schlagen und können nicht ein Jahr lang in einem Lager geparkt werden.“

Gretas Blick fiel auf einen winzigkleinen Baum, der einsam ganz am Rande des Platzes lag. Fast schien es so, als sei er vergessen worden. Richtig traurig sah er aus. Er hatte keine Chance ge­habt. Wahrscheinlich war er zu klein für Weihnachten, zu klein, um am heiligen Abend ge­schmückt in einem Wohnzimmer zu stehen.

Plötzlich hatte Greta eine Idee: „Moment, ich komme gleich noch mal wieder“, rief sie dem Mann mit der roten Pudelmütze zu und wühlte sich durch die Menschenmasse bis zu ihrem Vater durch. Es war gar nicht so einfach, ihn am Glühweinstand zu finden. Dort waren jetzt noch mehr Leute zusammengekommen und Greta überlegte, ob sich wohl jeder Er­wachsene hier für eine „Gute-Geschenk-Idee“ belohnt.

Ihr Vater hatte einen Bekannten getroffen, sie unterhielten sich – wahrscheinlich über ihre guten Ideen. Greta zupfte ihren Vater am Ärmel: „Komm’ bitte mal mit!“

 „Ich hab’ doch noch gar nicht ausgetrunken“, sagte ihr Vater und fühlte sich wohl etwas gestört. Greta hüpfte von einem Bein aufs andere. Eine halbe Ewigkeit dauerte es, bis ihr Vater seinen Becher geleert und sich von seinem Bekannten verabschiedet hatte. Sie wünsch­ten sich noch „Frohe Weihnachten“ und dann führte Greta ihren Vater zum Platz des Weih­nachtsbaumverkäufers.

Sie zeigte auf den winzigkleinen Weihnachtsbaum: „Den sollten wir Oma zu Weihnachten schen­ken!“ – „Ach, Greta, was soll sie denn mit diesem Winzling anfangen? Sie läßt sich doch jedes Jahr einen richtigen Tannenbaum vom Gärtner bringen!“

Greta seufzte: „Paaapa! Sie hat doch auch zwei Pyramiden, und wenn ich diese kleine Tanne schmücke, dann wird sie der allerschönste Weihnachtsbaum auf der ganzen Welt. Bestimmt!“ Der Vater lächelte und strich ihr über den Kopf: „Vielleicht hast Du ja Recht. In Ordnung! Überredet.“ Er bezahlte beim Verkäufer. Der zwinkerte Greta zu, und ganz glücklich trug das Mädchen die kleine Tanne nach Hause.

Wie gut, dass schon Weihnachtsferien waren! So hatte Greta genug Zeit, um Strohsterne und Goldsterne zu basteln, glitzernde  Ketten und kleine Haselnussmännchen. Als alles fertig war, schmückte sie den Baum damit und dann betrachtete sie ihn. „Nun bist Du der allerschönste Weihnachtsbaum!“ flüsterte sie. Täuschte sie sich oder hob der winzigkleine Baum vor Stolz seine Zweiglein? Sicher­lich freute er sich mindestens genausoso sehr wie sie!

Dann endlich war es soweit – Weihnachten!

Im festlich geschmückten Wohnzimmer überreichte Greta ihrer Oma ganz feierlich den allerschönsten Weihnachtsbaum. Die kleinen Kerzen auf seinen Zweigen waren nun hell erleuchtet. In diesem Augenblick hätte Greta nicht sagen können, wer heller strahlte, das Bäumchen oder ihre Oma.

Später dann, nach dem Essen, setzte sie sich zu Greta, die gerade in einem neuen Buch blät­terte, und begann zu erzählen: „Weißt Du, Greta, es gab eine Zeit, da konnten sich die Menschen zu Weih­nachten gar nichts schenken. Wir hatten kaum genug zu essen. Mein großer Bruder und ich wollten unserer Mutter zu Weihnachten aber unbedingt eine Freude bereiten. So gingen wir mit einer Säge in den nahen Wald und besorgten ein winziges Tannenbäumchen. Wir haben Schnee­kristalle aus Zeitungspapier ausgeschnitten und sie zwischen die Zweige gesteckt. Unsere Mutter hat vor Freude darüber am Heiligen Abend sogar etwas geweint. – Das alles hätte ich vielleicht vergessen, wenn mich Dein Bäumchen-Geschenk heute nicht daran erinnert hätte.“

Als er Gretas Großmutter das sagen hörte, strahlte der winzig kleine Weihnachtsbaum noch ein wenig heller.

 

Martina Deppe-Spinelli

(aus: CD „St. Nikolaus. Geschichten und Lieder vom Schenken.“
uccello-Verlag / Bonifatiuswerk, Diaspora-Kinderhilfe)