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Der Ruprecht Monolog

Nikolaustag! Also ich kann dieses ganze „Geschenke-in-Schuh- Gedöns“ nicht mehr leiden. Alberner Kram ist das heute! Früher war das anders, früher habe ich den Nikolaustag geliebt, da hatte ich ja noch eine Aufgabe, ich hatte meine Fans und ich wurde gefürchtet ... aber das ist lange her. Heute redet kaum jemand von mir, ich bin in Vergessenheit geraten, so wie ein Geschenk, dass man nicht mehr haben will. Kaum sind die Feiertage vorüber, läuft man los und tauscht es um. Ich habe nichts gegen Tauschen. Ich finde Tauschen besser als bezahlen ... aber ich ... ich bin ein unbequemes Geschenk, eines, das man nicht einmal mehr tauschen möchte, und wenn mich einer bekommt, würde er mich am liebsten in einen Sack stecken und mit der Post auf den Mond schießen ... dabei ist es eigentlich umgekehrt, denn ich bin es doch, der in den Sack steckt, der mit der Rute droht, denn ich bin Knecht Ruprecht, der Bösewicht!

Aber, habt keine Angst, ich bin gar nicht so böse. Ich bin nur einer, der das Böse bestraft, und das ist ein Unterschied. Eigentlich bin ich sogar ein Freund, ja ich bin ein Freund vom heiligen Nikolaus, bin sogar sein bester Freund, ich Ruprecht bester Freund vom heiligen Nik!

Ok., ok... es ist wahr, manchmal kann ich ganz schön wütend sein. Und es ist auch wahr, dass ich aus der Hölle komme, mein rußgeschwärztes Gesicht ist der Beweis! Die Holländer sagen sogar zwarte Piet [swatte Piet] zu mir, das heißt schwarzer Peter, aber hier bei euch bin ich Ruprecht, was soviel bedeutet wie rauer Kerl und ein rauher Kerl bin ich wirklich... oh ich bin ein rauher Kerl, ein ganz ein Rauher!!!

Mein Freund Nik hat mich aus der Hölle geholt, weil er einen brauchte, der ihm bei der Geschenkesache hilft! Ich meine Geschenke zu Nikolaus, das ist doch so etwas wie eine „Familienpreisverleihung“. Man tauscht quasi Geschenke, um  sich zu sagen: “Hey sieh her, ich finde du hast das verdient!”       

Mein Freund Nik hatte also mächtig zu tun mit dem Verteilen von Geschenken: „Ein Geschenk für Susi, eine Geschenk für Paule ...”, dann kamen die Geschenke für die, die keine Geschenke verdient haben. „Kein Geschenk für Susi und kein Geschenk für Paule!” Da haben Susi und Paule ziemlich doof gekuckt und hatten den Nikolaus gar nicht mehr lieb, und jetzt komme ich ins Spiel. St. Nikolaus ist zu mir gekommen und hat mich gefragt, ob ich ihm helfen könne.      

„Ich? Ja, warum soll ich dir denn helfen, du heiliger Schenkerich?” Habe ich gebrüllt, ihr erinnert euch, ich bin ein rauher Kerl! Aber mein Freund Nik hat nur gesagt: „Hör zu mein Bester, hast du schon einmal darüber nachgedacht, warum es dich überhaupt gibt?”

„Mich?”, hab‘ ich gebrüllt, „das ist doch klar. Weil ich böse bin, ich bin so böse, dass mich keiner leiden kann und darüber bin ich so böse, dass ich noch böser werde und mich erst recht keiner leiden kann!”

„Doch, ich kann dich leiden!”, hat der heilige Nikolaus gesagt und mir dabei tief in die Augen gesehen. „Ich brauche sogar deine Hilfe!”, hat er gesagt: „Weißt du, der Mensch kann das Gute nur erkennen, wenn er das Böse ebenfalls sieht und du bist ein rechter Bösewicht. Wenn ich also losziehe und Geschenke verteile für die, die es verdient haben, übernimmst du die Rolle für jene, die es nicht verdient haben. Denn es ist immer einfacher, die eigenen Fehler an einem anderen zu erkennen!”

Das war einleuchtend. Richtig gut kann einer nur sein, wenn er weiß, wie „richtig böse“ geht. So wie ich! Ich bin ein rauher Kerl, aber das sagte ich ja schon. Ich habe dann gefragt, was ich dafür bekomme, wenn ich mitgehe. Der heilige Nikolaus hat kurz überlegt und gesagt: „Wie wäre es ... mit meiner Freundschaft?”

Da haben wir uns die Hand gegeben und sind losgezogen. Ich habe mich an meinen Freund gekettet, damit er mir nicht verloren geht, und wir haben die Herzen im Sturm erobert, bis heute!

Aber heute ist es anders, heute kriegen alle Geschenke und manche, die es verdient hätten, werden vergessen. Es ist durcheinander geraten. Aber es ist doch keine schlechte Sache, zu wissen, was gut und was schlecht ist. Fragt mich, ich bin gerne Bösewicht, aber nur weil ich weiß, daß der gute alte Nik an meiner Seite geht.

Genug der Predigt, ich geh jetzt noch einen alten Freund besuchen, hab noch ein Geschenk für ihn, also bis die Tage ... 

 

Martin Baltscheit
(aus: CD-Begleitheft „St. Nikolaus. Geschichten und Lieder vom Schenken.“
uccello-Verlag / Bonifatiuswerk, Diaspora-Kinderhilfe)